Mittwoch, 22. November 2017

Typisch Höcke: immer nur stelen

Das ZPS (Zentrum für Politische Schönheit) hat dem führer fraktionsvorsitzenden der AfD Thüringen, Bernd Höcke, ein eigenes »denkmal der schande« vor die tür gesetzt.

Hierfür hat das ZPS das grundstück neben Höckes anwesen angemietet. Sehr schöne, weil gewaltfreie aktion, die installation soll bis ende 2019 stehen bleiben. Hier gibts bilder.

Freitag, 17. November 2017

Wirres ohne denKen

Vermutlich zum ersten mal im leben hat der LINKE kultursenator Berlins etwas vernünftiges gemacht. Er hat die preisverleihung an Ken Jebsen im Berliner Kino Babylon verhindert.

Aber wer ist eigentlich dieser Ken Jebsen und welche standpunkte vertritt er?

Ken Jebsen war bis 2011 radiomoderator beim Rundfunk Berlin Brandenburg, wo er bei Radio Fritz die sendung »KenFM« moderierte und 2011 in die kritik geriet und wegen mangelhafter journalistischer leistung rausflog.

Unter anderem war auch eine mail an die öffentlichkeit gekommen, in der sehr viel wirres zu lesen stand. Unter anderem folgendes:
Zitat Ken Jebsen: »sie brauchen mir keine holocaus informatinen zukommen lassen. ich habe mehr als sie. ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat. der neffe freuds. bernays. in seinem buch propaganda schrieb er wie man solche kampagnen durchführt. goebbels hat das gelesen und umgesetzt. ich weis wer die rassendatten im NS reich möglich gemacht hat. IBM mit hollerithmachinen. ich weis wer wärend des gesamten krieges deutschland mit bombersprit versorgt hat.standartoil also rockefeller.«
Zu behaupten Edward Bernays (natürlich ein jude) habe »den holocaust als PR« erfunden ist kraus - das hat etwas von »die juden sind an ihrem schiksal selbst schuld«, als wären die Deutschen Faschisten nicht auch ohne Bernays zum hetzen und morden imstande gewesen. Und wenn dann auch noch die böse, natürlich Amerikanische, IBM und Rockefeller auf den plan treten, wird es finster.

Weil sich an anderer stelle jemand die mühe gemacht hat, einen ganzen videovortrag Jebsens mitzuschreiben, gibt es hier noch ein paar textschnipsel, in denen man die herausragenden qualitäten von Jebsens journalismus bewundern kann. Schließlich soll er den Kölner Karlspreis für Engagierte Literatur und Publizistik erhalten und da ist es nicht verkehrt, sich anzuschauen, was da geehrt wird.

Zwar handelt es sich um einen älteren text, aber im jahr 2012 waren seine gedanken keinesfalls schlechter als heute.
Zitat Ken Jebsen: »Die mediale Medikamentenausgabe oder besser ein via Massenmedien ausgegebener Befehl. Ein Befehl ist eine Zwangsanweisung, die der Befehlsempfänger auszuführen hat. Ohne Interpretationsspielraum. Verweigert er diesen Befehl, hat das Konsequenzen, die stufenlos von Prügel, über Folter bis zur Erschießung reichen. Der Mensch ist per se auf Befehle konditioniert.«
Wenn es der wahrheit entspräche, daß der mensch per se auf befehle konditioniert ist - und in diesem kontext ja eben darauf befehlsempfänger der massenmedien zu sein, dann widerspräche es konsequenterweise der menschennatur, befehle zu erteilen.

Selbst widerspreche ich dem zeug aus den massenmedien häufig und bin dafür meines wissens bis jetzt noch nicht übermäßig oft erschossen worden. Wahrscheinlich weiß Ken darüber mehr als ich.

Zitat Ken Jebsen: »Profit bringt Profis zum schweigen. Nur wer profitiert? Die, die an den entscheidenden Stellen Meinung manipulieren können. Da sie zumindest die Massenmedien der Supermacht weitgehendst beherrschen. Und die, die vor allem die US-Außenpolitik seit Jahrzehnten derart unterwandert haben, dass es ihnen gelungen ist, Amerika dazu zu bringen Kriege zu führen, die nicht nur dem amerikanischen Geist von Freiheit und Selbstbestimmung diametral entgegenstehen, sondern ganz offensichtlich antiamerikanisch sind, da sie den meisten Amerikanern und damit Amerika als Ganzes massiv schaden.

[9:07] Man muss die Drahtzieher dieser imperialen Politik nicht mit der Lupe suchen. Im Gegenteil. Sie treten immer dreister in der Öffentlichkeit auf und präsentieren sich als Verkünder einer Neuen Weltordnung, die sie bereit sind, für uns durchzuziehen. Selbstlos. Es sind allen voran radikale Zionisten, mit US-Pass, deren Hobby Israel ist und deren Lieblingssport im Schlachten von Arabern besteht. Die Verflechtungen, der pro- israelischen Lobby und mit sämtlichen Machtzentren der USA sind inzwischen derart massiv, dass man gar nicht wegsehen kann. Denn egal wohin man auch schaut, trifft der Blick auf einen dieser radikalen Lobbyisten. Ihre Macht basiert auf der zur Perfektion geführten Disziplin der Manipulation der öffentlichen Meinung. Dazu benötigt man in unserem Wirtschaftssystem vor allem Geld. Viel Geld. Wahnsinnig viel Geld.«
Immer wie es gerade paßt, in diesem fall vertreten die USA eben mal nicht ihre imprialistischen interessen, was sie sonst gerne tun, sondern werden von finsteren mächten, die angeblich uns alle mit einer Neuen Weltordnung beglücken wollen, dazu gezwungen, gegen ihre eigenen interessen zu handeln - und nur weil ein paar Juden nichts lieber als morden möchten. Das liest sich fast wie die spinnerei vom »parasit im volkskörper, der die nation schwächt« in des Führers dicken buch.

Und da darf natürlich nicht fehlen, daß offenbar überdurchschnittlich viele von der USAmerikanischen reichen Jüdische wurzeln haben:
Zitat Ken Jebsen: »2 bis 3 Prozent der Amerikaner haben jüdische Roots. Zum Vergleich: 25 Prozent haben Deutsche. Im Gegensatz zur deutschen Community stellen die 2 bis 3 Prozent der US- Amerikaner mit jüdischen Roots aber 25 bis 30 Prozent der reichsten Familien des Landes. Wer das behauptet? Das amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes. Dieses Geld wird überall eingesetzt, um eigene Interessen durchzusetzen. Das ist völlig legitim und jeder würde so handeln. Nur, warum darf man da nicht drüber reden, ohne sich als Antisemit titulieren lassen zu müssen?«
Dafür muß man Ken Jebsen fast schon ein bißchen liebhaben: man muß ihm überhaupt nicht widersprechen, er tut es ja schon selbst. Denn wenn es im »Forbes« gestanden hat, ist das mit sicherheit kein geheimnis, über das man nicht reden dürfte, auch wenn wichtigtuer Ken etwas anderes behauptet.
Zitat Ken Jebsen: »Pearl, Abraham, Wolfowitz, Stern, Dershowitz, Cohen, Cargen [?], Dane, Crystal, Lubin, Aldenmor, Louis, Pollock, Brzezinski und natürlich das Urgestein Henry Kissinger. Das gemeinsame Hobby dieser Ziocons ist die Schaffung eines israelischen Großreichs [...]«
Dazu fällt auf, daß das »Israelische Großreich« mit allen besetzten gebieten ungefähr so groß ist wie die »Großmacht Brandenburg« ohne die zu besetzenden gebiete in der mitte.

Was verbindet die genannten herren(?) ohne vornamen? Genauso gut könnte man die namen Schmidt, Köhler, Fischer, Schröder, Koch, Schulz, Berger, Müller, Hinze aneinanderreihen und sich hinterher eine geschichte ausdenken, was die wohl verbindet. Ich könnte mir vorstellen, was Jebsen sich dabei gedacht hat, allerdings ist Zbigniew Brzezinski, der sogar einen vornamen hat, kein Jude, sondern entstammt dem Polnischen adel.
Zitat Ken Jebsen: »[22:46] Amerikanische Spitzenpolitiker mit zionistischen Roots dürfen unwidersprochen in der amerikanischen Öffentlichkeit behaupten, die Annahme in Palästina wären Palästinenser zuhause beruhe auf einem historischen Irrtum! Ähnlich wie im Fall Irak betreibt der US-amerikanische-zionistische Propaganda-Apparat die Gehirnwäsche mit dem Ziel, Völkern ihre Identität nicht nur kleinzureden, sondern diese im Kern zu bestreiten. Damit das flächendeckend und damit meinungsbildend funktioniert, investieren US-amerikanische Zionisten seit Jahrzehnten massiv in Universitäten und ihrer Lehrkörper oder gründen wissenschaftliche Bildungseinrichtungen. Hier wird den neuen Intellektuellen dann von Grund auf das Gehirn formatiert, so dass sie später in Spitzenpositionen, für die sie hier vorbereitet werden, nur noch wiederholen müssen, was man ihnen eingetrichtert hat. Diese Art, ein System von innen zu übernehmen, kann man auch an den US-amerikanischen Wirtschaftsuniversitäten beobachten. Die Denkweise des Milton Friedman, die im Amerika von heute und damit auf der ganzen Welt zu einer massiven Umverteilung von unten nach oben geführt hat, ist eine Denkweise, der wir den Crash von 2008 zu verdanken haben.«
Milton Friedman ist schuld, daß im kapitalismus von unten nach oben verteilt wird. Das prinzip wurde im grunde zwar schon von Adam Smith beschrieben, aber Ken muß angeben, daß er bescheid weiß über die schweinereien der wirtschaft und da ist Friedman ein geeigneter watschenkasper.
Zitat Ken Jebsen: »Das einzige, was am Holocaust der Nazis einmalig ist, ist sein Datum. Weder der Begriff Holocaust, noch die Blaupause wie man ihn unter den Nazis umsetzte, stamme ausschließlich von den Nazis. Die Nazis waren immer auch dreiste Diebe von geistigem Eigentum. Das fängt beim Logo an, dem umgedrehten Fruchtbarkeitszeichen, und hört bei den Vernichtungslagern auf. Es war Engels, der das Wort Holocaust in der Öffentlichkeit als Erster benutzte und diesen Holocaust sogar forderte. Engels schrieb, dass ein Holocaust sogar nötig sei, um die Revolution des modernen Menschen voranzutreiben. Da nicht alle Menschen in der Lage seien, die nächste Stufe einer höheren Rasse zu erreichen, müsse man sich ihrer wohl oder übel entledigen. Sie seien nur Ballast.«
Wo hat der Engels den begriff »Holocaust« verwendet?

Ich weiß es: Nirgends.

In antikommunistischen medien wird diese these gelegentlich Marx untergeschoben, allerdings mit dem selben wahrheitsgehalt.

Bezugnehmend darauf fährt Jebsen fort:
Zitat Ken Jebsen: »Adolf Hitler sprang auf diesen Rassenwahnzug einfach auf. Doch noch bevor er selber Konzentrationslager bauen ließ, besuchte er die der Sowjetunion. Dort hatte man 20 Jahre Vorsprung im massenhaften Vernichten von Menschen und überließ ihm großzügig das Know-How der Massentötung durch Vernichtungslager. Doch ebenfalls noch bevor Adolf Hitler mit seiner Endlösung angefangen hatte, kam es in der UdSSR zu einem Holocaust. 1933 ließen die Russen innerhalb eines Jahres 7 Millionen Ukrainer vorsätzlich verhungern.[...] Jeder Ukrainer, der fliehen wollte, wurde erschossen. Frauen, Kinder, jeder. Jeder, der essen wollte. Innerhalb von nur 12 Monaten waren 7 Millionen Menschen qualvoll verreckt. Ihre völlig ausgemergelten Leichen, die denen aus Auschwitz zum verwechseln ähnlich sahen, wurden in Massengräbern verscharrt. Auch der russische Holocaust an den Ukrainern war am Schreibtisch geplanter Massenmord. Auschwitz war also eine Wiederholung. Und rutscht damit in den Holocaust-Charts auf Platz 2. Spielt das eine Rolle?«
Versteht sich von selbst: Hitler ist nur auf den irren rassenwahnzug der »kommunisten« aufgesprungen, wo Jebsen eben doch so glaubwürdig bewiesen hat, daß der Holocaustbegriff auf Engels zurückgeht.

Nebenher setzt Jebsen den Holocaust mit dem Holodomor in den 30er jahren in der damaligen Sowjetunion gleich. Der allerdings ist unter historikern umstritten, weil nach wie vor unklar ist, ob es tatsächlich ein vorsätzliches verhungern lassen war, wie Jebsen behauptet oder ob die hauptursache nicht wetterbedingte mißernten waren, die es zu jener zeit wirklich gab.

Tod durch verhungern hat es schon zur Kaiserszeit gegeben. So schreibt Ludwig Turek in seinem buch Ein Prolet erzählt über seine festungshaft in Spandau zur Kaiserszeit: »Das Essen? — Das Futter? — Die Jauche, die dort als Nahrung gereicht wurde, ließ am besten die Absicht erkennen, uns alle dem Hungertode preiszugeben. Wir waren nicht zu Festung verurteilt, nein, wir waren verurteilt zum Tode durch Verhungern.« Auch im Russischen Zarenreich hat es so etwas längst gegeben.

Aber das wichtigste ist für Jebsen, darzulegen, daß der eine massenmord wegen der sache mit dem womöglich anderen massenmord dann halb so wild sei. Schön, daß menschenleben so viel wert sind, gegeneinander aufgerechnet werden zu dürfen und dann ihre auslöschung nicht mehr so schlimm ist!

Gleich darauf wird dann noch einmal relativiert:
Zitat Ken Jebsen: »Wieso gedenkt Amerika in seiner Hauptstadt Washington DC an der National Wall in einem Holocaust Memorial den ermordeten Juden des Dritten Reiches, also eines anderen Kontinents, während man die Gedenkstätte für die ermordeten Ureinwohner Amerikas, die Indianer, hier vergeblich sucht? Der Massenmord an den Indianern war gleichzeitig der größte Landraub in der Geschichte der Menschheit. Rangiert also in der Quantität der Enteignung deutlich vor dem Holocaust in Europa. Und wieder rutscht der Holocaust der Nazis in der Unterdisziplin Raub auf Platz 2 der größten Verbrechen der Menschheit.«
Charts für männer die nicht bis drei zählen können: Da landen die nazis glatt zwei mal auf platz zwei.

Meister Jebsen will nicht ursachen analysieren, sondern nur leid gegen leid aufrechnen und das war noch nie eine gute idee, wenn man frieden anstrebt.

Kritischer journalismus sieht anders aus.

Montag, 6. November 2017

Foto am montag (288)

Schwarzweißer vari (varecia variegata). Er genießt einfach die herbstsonne und das ist eine sehr gute idee.

Freitag, 3. November 2017

»Organ der Demokratie«

Der Kölner Karlspreis für Engagierte Literatur und Publizistik der Neuen Rheinischen Zeitung geht in diesem jahr an Ken Jebsen KenFM – ein "Organ der Demokratie".

Auf meister Jebsen und sein demokratieverständnis war schon immer verlaß:
Jebsen: »[...]Und final möchte ich noch etwas zum thema ›demokratie‹ sagen. Zu ›demokratie löst nicht alle probleme‹. Das denkt man, dass demokratie alle probleme lösen kann. Es gibt auch andere möglichkeiten. Und dann orientiere ich mich auch an der natur. Stellt Euch mal vor: zugvögel würden die Reise nach Afrika ›demokratisch‹ organisieren. Die kämen nur bis Sylt! Die kämen nur bis Sylt! Und dann wär es vorbei. Dann würde sie der winter auf Sylt einholen. Die Vögel fliegen nach Afrika, ohne lang rumzudiskutieren - und sie fliegen auch wieder zurück. Und sie halten sich an ein gesetz, ein ›natürliches gesetz‹, und das heißt auch das ist möglich. Und ich erkenne, dass zugvögel recht friedlich leben seit vielen tausend Jahren. Ohne demokratie! Ja, wie machen denn die vögel das? Wie finden sie den ort eigentlich ohne ›google earth‹? Die natur ist schlau genug! Orientier Dich doch einmal an der natur! Und versuche nicht, die natur zu verbessern. Das tun wir[...]«
Ohne wirrlallbacken wie Ken Jebsen wäre der Deutsche journalismus, die demokratie und die wahrheit schlechthin längst untergegangen!

Samstag, 28. Oktober 2017

avenidas ... und der verlust von verstand

avenidas
avenidas y flores

flores
flores y mujeres

avenidas
avenidas y mujeres

avenidas y flores y mujeres y
un admirador«


eugen gomringer
Alice Salomon Poetik Preis 2011

Ins Deutsche übertragen bedeutet das:

alleen
alleen und blumen

blumen
blumen und frauen

alleen
alleen und frauen

alleen und blumen und frauen und
ein bewunderer



Dieses gedicht des Bolivianisch-Schweizerischen dichters Eugen Gomringer, das als beginn der Konkreten Poesie gilt, steht seit dem jahr 2011 an einer fensterlosen außenwand der Alice-Salomon-Hochschule in Hellersdorf.

Fünf jahre lang hat sich niemand daran gestört, bis es 2016 von seiner wand herabstieg und die studentinnen unsittlich berührte. In einem offenen brief vom april 2016 forderte der AStA die entfernung des gedichts. Das ganze ging in den letzten tagen noch einmal durch die medien, weil das rektorat der hochschule beschlossen hat, bis ende oktober neugestaltungsvorschläge anzunehmen und im november über eine eventuelle neugestaltung abzustimmen.

Für mich war das ein grund, mir wenigstens den offenen brief anzuschauen. Unter anderem heißt es darin:
Zitat: »Zwar beschreibt Gomringer in seinem Gedicht keineswegs Übergriffe oder sexualisierte Kommentare und doch erinnert es unangenehm daran, dass wir uns als Frauen* nicht in die Öffentlichkeit begeben können, ohne für unser körperliches „Frau*-Sein“ bewundert zu werden. Eine Bewunderung, die häufig unangenehm ist, die zu Angst vor Übergriffen und das konkrete Erleben solcher führt.

Die U-Bahn-Station Hellersdorf und der Alice-Salomon-Platz sind vor allem zu späterer Stunde sehr männlich dominierte Orte, an denen Frauen* sich nicht immer wohl fühlen können. Dieses Gedicht dabei anzuschauen wirkt wie eine Farce und eine Erinnerung daran, dass objektivierende und potentiell übergriffige und sexualisierende Blicke überall sein können.

Eine Entfernung oder Ersetzung des Gedichtes wird an unserem Sicherheitsgefühl nichts ändern. Dennoch wäre es ein Fortschritt in die Richtung, dass es unsere Degradierung zu bewunderungswürdigen Objekten im öffentlichen Raum, die uns Angst macht, nicht auch noch in exakt solchen Momenten poetisch würdigen würde.«
Und da frage ich mich ganz ehrlich, ob die beim AStA der ASH eigentlich noch alle fliesen an der wand haben: das gedicht soll verschwinden, weil frauen sich im u-bahnhof und auf dem platz vor der uni nicht sicher fühlen.

Die u-bahn-station Hellersdorf ist tatsächlich mit 41 gewaltdelikten im jahr 2016 die gefährlichste in den Berliner außenbezirken. Aber mit sicherheit nicht, weil man vom bahnsteig aus Gomringers gedicht (auf Spanisch) lesen kann.

Das gedicht soll weg, das problem mit der gewaltkriminalität darf bleiben. Auf die idee, daß man mit der BVG und dem senat reden müßte, um ein konzept zu entwickeln, daß sich studentinnen in der gegend um die ASH sicher fühlen, kommen die nicht.

Wäre zu viel verlangt, wenn zukünftige sozialarbeiter, erzieher und was die studierenden der ASH so alles einmal werden wollen, sich gedanken um lösungen für soziale brennpunkte in ihrem direkten umfeld machen müßten.

Freitag, 27. Oktober 2017

Nominierung für das »Goldene Brett« 2017

Am 23. november wird in Wien zum 7. mal das »Goldene Brett« verliehen. Wer einen potentiellen kandidaten dafür weiß, kann ihn bis zum 10. november hier nominieren. Gute chancen auf den preis haben besonders dreiste geschäftemacher, die abwegige theorien vertreten.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Rechte auf der Buchmesse und wer macht für sie PR?

Hätte man sie einfach rechts liegen gelassen, hätte wahrscheinlich kaum jemand notiz von den rechten verlagen auf der Frankfurter Buchmesse genommen - und ich übrigens auch nicht. Erst als die ansichtsexemplare eines rechten verlages mit zahnpasta beschmiert wurden und die lage bei einer buchpräsentation zu eskalieren drohte, erfuhr ich aus dem Deutschlandfunk Kultur, daß die überhaupt teilnehmen und wunderte mich, daß denen so eine internationale messe nicht zu multikulturell ist.
Zitat Svenja Flaßpöhler: »Es kam dann tatsächlich der AfDpolitiker Björn Höcke auf die bühne und nahm das publikum noch mal sehr für sich ein [...] zentrum seiner rede war eigentlich auch eine art opfer-diskurs [...] und hat nochmal eine lanze dafür gebrochen, diese deutungshoheit der linken, also diese filterblase der linken, dieses vorrecht der linken, sich präsentieren zu dürfen - aber die rechten dürfen es eben nicht, dieses ungleichgewicht eben aufzubrechen [...] wir wollen, daß wir genau so ernst genommen werden, wie die.

[...]

Entgegen der erzählung von herrn Höcke war es so, daß die linken abgeführt wurden.«
Immer wieder sei gesagt worden »Wir wollen mit den Linken leben und auch mit ihnen reden, aber die Linken sind die Verblendeten und wir sind die, die auf dem Boden der Wahrheit stehen.«

Ist es sinnvoll, mit anderen reden zu wollen, wenn man sich von vornherein einbildet, die wahrheit gepachtet zu haben während die anderen die verblendeten sind?

Freitag, 13. Oktober 2017

Philosuffische erkenntnis

Die philosophische viellallbacke David Richard Precht hat im Deutschlandradio Kultur was gesagt.
Zitat: »Philosophie ist so wenig zielführend wie Alkohol.«
Na, wenn das so ist ...

...lieber alkohol.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Wohnen im kapitalismus

Daß es für viele menschen alles andere als eine gemütliche einrichtung ist, daß mit dem bedürfnis nach wohnraum immer auch noch eine rendite erwirtschaftet werden muß, dürfte einem großteil der menschen inzwischen klar sein.

Daß inzwischen manchmal hunderte potenzielle mieter um eine verhältnismäßig günstige wohnung konkurrieren müssen, wird wahrscheinlich dann doch auf manch einen eher befremdend wirken. So aber beispielsweise letztens im Berliner stadtteil Prenzlauer Berg geschehen.

80 quadratmeter für unter tausend euro. Und unter den bewerben figuren aus Westdeutschland mit monatseinkommen von über 20.000€ netto, die gern eine zweit- oder drittwohnung hätten. Die benötigen ganz bestimmt keine billige wohnung, wo auch immer. Sind aber gewiß angenehme mieter, weil sie wegen abwesenheit kaum etwas verschleißen und auch kaum lärmen. Und für die leute, die tatsächlich in der stadt arbeiten und günstigen wohnraum bräuchten, bleibt nichts über, weshalb sie dann lange anfahrtswege zur arbeit in kauf nehmen müssen.

Hier geht es nicht um bedarf, sondern, wen sollte es wundern, um geld.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Separatismus

Klar möchte ich, daß das sympathische »bundesland mit dem loch in der mitte« oder wenigstens Nordhessen eine sozialistische republik wird und wenn die bekloppten Bayern gehen wollen, sollen sie doch. Die »Bayernpartei« warb 2002 mit »Berliner, wenn Ihr wollt, daß Stoiber in Bayern bleibt, wählt uns«. Das war überzeugend. Wer hätte den Stoiber schon in Berlin gewollt. Schland wird nicht gespalten, obgleich wir sprachlich niemals zusammengehören können.

Was wollen die Katalanen eigentlich? Wollen die sich vielleicht mal anschauen, was aus der gespaltenen Sowjetunion, dem gespaltenen Jugoslavien oder der Tschechoslovakei wurde?

Schland hat nationale teilungen immer mit vorangetrieben, um die vormachtstellung zu sichern. Abegespalten von Spanien bedeutet Katalonien in der EU nicht mehr so viel, wie es sollte.

Europäer. Haltet wenigstes gegen Schland zusammen.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Wo Harald Lesch irrt

An sich schaue ich mir die sendungen mit Harald Lesch recht gern an, weil er es immer wieder schafft, auch komplizierte dinge verständlich und sogar unterhaltsam zu erklären. Auch betreibt er gemeinsam mit anderen wissenschaftlern die interessante internetseite »urkall, weltall und das leben.«

Allerdings scheint er in bezug auf das BGE einem irrtum aufzusitzen:



Den für das thema wichtigen text aus dem video habe ich mitgeschrieben.
Harald Lesch: »Wir leben in einer zeit, in der die ökonomie immer mehr und mehr unsichere arbeitsverhältnisse produziert. Diese unsicheren arbeitsverhältnisse führen zu unsicheren leben, zu unsicheren perspektiven, zu unsicheren beziehungen, zu unsicheren menschen. Es gibt nichts besseres als sicherheit für einen menschen, wenn er weiß, ich kann in die zukunft vertrauen.

Vertrauen - und da muß man die Deutsche Bank zitieren - ist der anfang von allem.
Und je mehr mißtrauen gesäht wird und je mehr mißtrauenskontrolle der fall ist, desto mißtrauischer werden die menschen, nicht nur den anderen gegenüber, sondern auch sich selber gegenüber. Das heißt, das ist eine zerstörung von selbstbewußtsein, die da stattfindet.

Und man könnte durch ein bedingungsloses grundeinkommen zunächst einmal dafür sorgen, daß ein erheblicher teil von diesem erosionsprozeß, den ich an allen ecken und enden beobachte, vor allen dingen auch in den wissenschaften beobachte, könnte man stoppen. Ob das ein soziales allheilmittel ist, das wage ich nicht zu sagen.

Ich weiß nur, daß menschen, wenn sie diesen punkt erreicht haben, daß sie wissen, okay, ich muß mich in den nächsten sechs monaten, in den nächsten drei jahren nicht um eine neue stelle kümmern, ich kann endlich mich mal entfalten.

Es gibt die eine variante, daß die leute faul werden. Ich glaube aber nicht an die. Das ist, was ich in meinem direkten, professionellen umfeld überhaupt nicht beobachte, daß diejenigen die eine dauerstelle haben sich da in die hängematte begeben. Das kann ja sein, das müssen wir dann aushalten.

Das andere aber ist, daß ein erheblicher teil namentlich der jüngeren bevölkerung mit einem ganz anderen gefühl in ihr leben starten würde, statt immer nur zu gucken, mensch, wo kriege ich die nächste mark her und immer an der kante der existenz herumkratzen zu müssen. Das halte ich, gerade, wenn es um so wissenschaftliche stellen geht, halte ich das für einen skandal. Das in einem land wie Deutschland, in den geisteswissenschaften ist es ganz besonders schlimm, unsere studentinnen und studenten von einem dreimonatsvertrag zum nächsten gehandelt werden. [...] Es kann nicht sein, es handelt sich dabei ja nicht um zwangsmaßnahmen, daß es wirklich nötig wäre, aber wir haben es uns so angewöhnt, daß alle bereiche voll durchökonomisiert werden und durch diese durchökonomisierung erzeugen wir selbst da, wo es eigenlich gar keinen wettbewerb geben dürfte, erzeugen wir wettbewerb.

Wettbewerbsdruck an universitäten ist völliger schwachsinn. Die universitäten sind per definition einrichtungen auf der suche nach wahrheit. Die suche nach wahrheit ist keine bundesligasaison. [...] Das allerletzte, das wir brauchen können ist wettbewerb. Wenn man sich das heute anschaut, mit diesen ganzen exzellenzinitiativen etc., wie die gegeneinander konkurrieren. Die kolleginnen und kollegen reden nicht einmal mehr miteinander, weil sie wissen, mensch, wenn ich dem das jetzt sage, dann schreibt der das in seinen antrag mit rein [...] was für ein schwachsinn! [...] Und ständig müssen die leute überwacht werden. Manchmal denke ich, ich bin bei der NSA [...], vertrauen ist eine wichtige sache. [...] Das ist auch eine frage der sprache, die wir benutzen. Das bedingungslose grundeinkommen könnte ein interessanter versuch werden. Warum nicht?«
Er sagt sehr viel richtiges. Allerdings zieht er den falschen schluß, daß man mit einem BGE so etwas wie sicherheit für die leute schaffen könnte. Und seine frage »warum nicht?« kann man mit »weil dieser schuß nach hinten losgehen würde« beantworten.

Es gibt noch ganz andere, die auch gern ein BGE einführen möchten, wenngleich auch aus weniger menschenfreundlichen gründen. So sagte Frauke Petry, damals noch AfD, wenige tage vor der bundestagswahl im interview mit der Leipziger Volkszeitung:
Frauke Petry: »Wir brauchen einen starken Staat, wenn es um die Sicherheit und die Bürgerrechte geht – ansonsten hat sich der Staat aus dem Leben der Menschen herauszuhalten, das betrifft insbesondere auch die Wirtschaft. Wir müssen zur freien Marktwirtschaft zurückkehren.«

LVZ: »Das bedeutet, die AfD würde nicht mehr umverteilen?«

Frauke Petry: »Wir halten zumindest die jetzt praktizierte Umverteilung schädlich für den Staat und die Bürger. An die Stelle unseres inzwischen unüberschaubaren Sozialsystems sollte eine aktivierende Grundsicherung treten, die jedem zusteht – die aber nicht auskömmlich sein darf. Jeder könnte sich dann je nach Bedarf etwas dazuverdienen. Der durch Hartz IV verloren gegangene Anreiz, selbst zu arbeiten, muss wiederhergestellt werden. Und insgesamt muss der Staat seine Ausgaben überprüfen: Beim bürokratischen Aufwand, im Steuersystem, auch bei den Familienleistungen. Außerdem sollte jedem klar sein, dass die sozialen Sicherungssysteme den Zuzug nicht verkraften werden – mit den Flüchtlingen steigt ja nicht automatisch die Zahl der Einzahler. Im Gegenteil, nur die Auszahlungen wachsen.«

LVZ: »Das klingt nach bedingungslosem Grundeinkommen.«

Frauke Petry: »Es geht in diese Richtung. Der entscheidende Unterschied ist, dass wir der Meinung sind, dass allein die staatliche Unterstützung nicht das Leben finanzieren darf. Die Allermeisten, die momentan Hartz IV erhalten, könnten arbeiten, werden aber durch die geltenden Sozialsysteme davon abgehalten. Über eine Höhe der Grundsicherung kann ich noch nichts sagen, aber es könnten geschätzt 600 bis 800 Euro pro Erwachsener sein, bei Kindern anteilig.«
Leider ist das, was Frauke Petry zum BGE sagt erheblich näher an der realität als die wohlmeinden gedanken des herrn Lesch zu dem thema.

Leider muß man tatsächlich davon ausgehen, daß ein BGE, das zum leben ausreichen würde, unserem wirtschaftssystem widerspräche. Es wäre unsinn, die menschen erst gegeneinander konkurrieren zu lassen, um am ende den konkurrenzverlieren einen auskömmlichen anteil zu schenken, also würde es so niedrig sein, daß man davon nicht leben kann. Die folge wäre, daß der beklagte konkurrenzdruck noch härter werden würde und die konkurrenzverlierer endgültig unter die räder geraten würden, es gäbe dann kein soziales netz mehr, das diese leute noch auffangen könnte.

Ein BGE zu fordern bedeutet, die entsolidarisierung der gesellschaft mit weiterer entsolidarisierung bekämpfen zu wollen.