Sonntag, 29. Dezember 2013

Offener bücherschrank

Inzwischen lese ich eigentlich am liebsten eBooks: wohin auch immer ich gehe und mir im allerhinterletzten nest der bus vor der nase weggefahren ist. Ich habe meine handbibliothek dabei, so daß mir auch am langweiligsten provinzbahnhof selbst nach ende der ladenöffnungszeiten nie die wartezeit öde wird.

»Oh vergeblichkeit. Oh, vergänglichgeit. Oh, Du ohnmächtigste und schmachvollste zeit im leben eines volkes. Oh, zeit zwischen morgendämmern und öffnung der geschäfte. Wie viel graue strähnen hat sie zusätzlich in uns hineingeflochten?« Wenedikt Jerofejew

Ein offener bücherschrank funktioniert ohne jeden elektronischen schnikschnak zu jeder tageszeit. Man kann die bücher, die man ausgelesen hat, hineinstellen und nach belieben bücher, die man noch nicht kennt, mitnehmen. Im gegesatz zu einer herkömmlichen leihbibliothek gibt es weder öffnungszeiten, noch eine frist, in der man das entnommene buch zurückbringen muß. Wenn einem ein buch gefällt, muß man es überhaupt nicht wieder hergeben. Stattdessen gibt man die bücher her, die man nicht mehr braucht, über die sich andere aber durchaus freuen.

Offene bücherschränke sind eine kleine, nicht-kapitalistische nische, in der kein warenaustausch stattfindet. Jederzeit kann man nach bedarf etwas entnehmen. Und irgendwann, sofern man kann, etwas zurückgeben.


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