Samstag, 6. Januar 2018

Der computer ist schuld!

In der zeit zwischen den jahren las ich bei Telepolis ein dreiteiliges interview mit dem soziologen Werner Seppmann, von dem kürzlich das buch »Kritik des Computers« erschien. Er sagt in diesem interview durchaus richtiges zur gesellschaftskritik aber leider wenig taugliches zur technikkritik.

Teil 1
Zitat Werner Seppmann: »Zuallererst sollte uns zu denken geben, dass die Entwicklung des Computers von militärischen Interessen determiniert ist - und die Computer-Technologie diese Kainsmale immer noch mit sich herumschleppt. Der große Computer-Pionier und gleichzeitig unerbittliche Kritiker einer in ihren Konsequenzen unreflektierten Informatisierung, Joseph Weizenbaum, hat vehement darauf hingewiesen, dass der Computer nicht nur im Krieg geboren wurde, sondern dass fast alle Forschungen und Entwicklungen vom Militär präjudiziert wurden und heute noch werden. Alleine aus diesem Grund kann nicht gesagt werden, dass der Computer eine wertfreie Technologie wäre.[...]«
Genauso gut könnte man sagen »zuallererst sollte uns zu denken geben, dass die entwicklung der konservendose von militärischen interessen determiniert ist - und die konservendose diese kainsmale immer noch mit sich herumschleppt.« Und im gegensatz zum computer stimmt das sogar, man sollte sich womöglich gedanken drüber machen, wenn man sich das nächste mal eine büchse baked beans oder so reinpfeifft.

Bei allem respekt vor herrn Weizenbaum, der computer wurde nicht »im krieg geboren«. Der erste computer war Analytical Engine, der vom Englischen mathematiker Charles Babbage in der ersten hälfte des 19. jahrhunderts entwickelt wurde. Ada Lovelace, die tochter von Lord Byron, erdachte dafür eine programmiersprache und schrieb das erste komplexe anwenderprogramm. Sie war der erste softwareentwickler der geschichte und hatte auch damals schon die idee, daß man einen computer auch zum musikmachen verwenden könnte. Leider scheiterte die umsetzung an den damaligen technischen gegebenheiten, aber vom logischen aufbau her hätte die maschine funktioniert.

Auch Konrad Zuse hatte die idee zum Z1 nicht, weil er unbedingt was für das millitär tun wollte. Er arbeitete als statiker und hatte kein bock auf die ewige rechnerei. Daß auch das militär sich für solche technischen entwicklungen interessiert, ist kaum verwunderlich.

Computer wurden jedoch nicht für das militär erdacht und sind nicht auf millitärische nutzung festgelegt. Computer sind frei programmierbare maschinen, denen es wertneutral egal ist, ob sie im krieg eine drohne ansteuern, um zu töten oder ob sie im krankenhaus helfen, leben zu retten oder für etwas völlig anderes eingesetzt werden.

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Kommentare:

  1. Bei dem was Herr Seppmann schreibt, müsste sein Buch doch beginnen.
    Die Artikelserie verstehe ich als eine Art Anamnese. Jetzt muss er davon nur noch Abstand nehmen und sich fragen warum denn eigentlich?
    Das macht er aber mit Sicherheit nicht.
    Er jammert herum, weil er schlechtes in der Welt entdeckt und schiebt es auf das Gerät.

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    1. »Er jammert herum, weil er schlechtes in der Welt entdeckt und schiebt es auf das Gerät.«

      Genau das ist der punkt. Er spricht über probleme, die es in der welt gibt und merkt nicht, daß die keine technische ursache, sondern wirtschaftliche und gesellschaftliche ursachen haben. Das ist - ich schreibe es ungern - für einen Marxisten eine eher schwache leistung.

      Er hört mit seiner kritik auf, wo sie eigentlich erst anfängt: er kritisiert in dem interview, daß die arbeitsbedingungn durch die computerisierung härter geworden sind. Stimmt. Der computer jedoch hat diese verhältnisse nicht in die welt gesetzt.

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