Donnerstag, 6. Februar 2014

Wenn denken hülfe - teil 1

Im blog »freiwillig frei«

– nebenher: man kann gar nicht freiwillig frei sein. Freiheit ist immer die summe der freiheiten, die einem von einer obrigkeit erlaubt werden.

Wenn keine herrschaft da wäre, die einen unterdrücken könnte und der man sich unterordnen müßte, dann käme man kaum auf die idee, über freiheit nachzudenken, dann würde man einfach das notwendige erledigen und sich danach den dingen zuwenden, die man interessant findet. Wenn »freiheit« staatsprogramm ist, wird selbst die einem aufgeherrscht, ob man sie will oder nicht und egal wofür sie nützt und ob sie einem überhaupt etwas nützt. Das nur mal so am rande –


welches mit »denken hilft« überschrieben ist, gab es vor einiger zeit ein recht drolliges video zu sehen, das den betrachter mit einigen absurditäten konfrontierte. Wer mag, kann sich den film dort ansehen. Damit das keiner muß, um meine anmerkungen dazu zu verstehen, habe ich den text mitgeschrieben.

Zitat aus dem film:»Simon ist neu in der fabrik. Wenn man ihn fragt, würde er sagen, daß er einen miesen job hat.

Er muß sauber machen und sachen durch die gegend schleppen. Er verdient nur 3 $ die stunde.

Trotzdem arbeitet Simon momentan lieber hier als woanders. Obwohl er nur wenig verdient, hat er gewisse freiheiten, die er ganz gut findet.

Nächtste woche wird er lernen, die umformmaschine zu bedienen. Das wird seine arbeit etwas interessanter machen.«
Wenn es freiheit ist, daß menschen für 3 $ die stunde ihre wertvolle lebenszeit verkaufen müssen, dann läuft man ziemlich klammerbeutelgepudert durch die landschaft, wenn man nach »freiheit« ruft. Zumindest, wenn man zu denen gehört, die ebenfalls ihre arbeitskraft verkaufen müssen, um den lebensunterhalt zu verdienen.

Einer, der zu derartigen konditionen arbeiten ginge, hätte einen monatslohn von rund 550 $, wenn man von einer fünftagewoche zu acht stunden ausgeht. Vermutlich bekäme man aus dem lager der freiheitsbefürworter zu hören, daß ohne geregelte arbeitszeiten so ein junger mann schon zu dem seinen kommen könne, denn wenn es nur die freiheit gäbe, stattdessen an 6 tagen in der woche 12 stunden zu malochen, dann bekäme er schließlich bei diesem stundenlohn den üppigen monatslohn von rund 970 $, was schon etwas völlig anderes wäre.

Zu welchem lohn auch immer der Simon in die fabrik geht, eins steht von vorn herrein fest: er tut es nicht aus »freiheitsliebe«, »arbeitswut« oder weil er versuchen würde, seinem leben durch diese tätigkeit »einen sinn« zu geben. Er ist arm: er hat im system, das durch verkauf und kauf bestimmt wird, nichts anzubieten als das bißchen arbeitskraft, das er in konkurrenz zu den vielen anderen anbieten muß, die ebenfalls in der materiellen not sind, sich verdingen zu müssen, um zu überleben.

Für sein interesse zu überleben, wird seine stelle keinesfalls interessanter, wenn er lernt »die umformaschine« zu bedienen, die tätigkeit an sich ist mit sicherheit ebenso nervtötend wie kistenschleppen und putzen.

Interessant wird seine tätigkeit, wenn er bereitwillig lernt mit maschinen umzugehen, hauptsächlich für seinen chef. Weil so unter umständen mit der zeit aus ungelernter arbeit eine angelernte arbeit wird, die eigentlich besser bezahlt werden müßte, was sie aber nicht unbedingt wird.

Für den Simon wird die stelle ausschließlich dann interessanter, wenn die lebenszeit, die er für seinen lebensunterhalt aufwenden muß, weniger wird oder eben, daß aus seiner hände arbeit nicht nur die sicherung der nackten existenz und ein dahinvegetieren, sondern ein leben wird.

Der text ist leider wieder sehr lang, weshalb ich ihn in mehreren teilen poste, damit es nicht zu viel auf einmal wird. Demnächst folgt teil 2, in welchem es unter anderem um den gegensatz von lohnarbeit und profit gehen wird.

hier geht es weiter

Kommentare:

  1. wurde dieser ganze rechte Schrott nicht schon vor 2 Jahren in aller epischen Breite abgewatscht?

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    1. Im engeren sinne »rechts« ist daran nichts. Wo das vor 2 jahren »abgewatscht« worden wäre, wüßte ich nicht.

      Mir geht es übrigens nicht ums »abwatschen«, wie man aus dem text vielleicht entnehmen kann, sondern darum darzulegen, wie klug die argumente, die in diesem film vorkommen, sind.

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    2. "och nee" verweist wohl auf die Diskussion, die seinerzeit beim Duderich stattfand
      http://aufzeichnungen-eines-gutmenschen.blogspot.de/2012/06/freiwillig-frei-denken-hilft.html?showComment=1391604341725

      Auf "freiwilligfrei" lief die Diskussion parallel und offenbarte dort doch teils recht schwer verdauliche Sichtweisen. "Rechts" würde ich das nicht nennen. Von der Grundtendenz her werden zwar scheinbar anarchistische Ideen aufgegriffen. Die sind für die meisten dort aber wohl eher ein Deckmäntelchen für ihre ultra-wirtschaftsliberalen und sozialdarwinistischen Weltanschauungen.

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    3. Die diskussion beim Duderich kannte ich bisher noch nicht.

      Ich hab mir den film dort über die »voluntaristische ethik« wenigstens zur hälfte angesehen und festgestellt, daß es offensichtlich kein fehler ist, immer mißtrauisch zu werden, wenn menschen mit ethischen oder moralischen gründen argumentieren. Mit ethik oder moral kann man jeden scheißdreck begründen.

      Die diskussion habe ich nur teilweise kurz überflogen, das ist viel zu viel text. Allerdings ist es grenzwertig, denen, deren auffassungen man nicht leiden kann psychiatrische störungen zu unterstellen. Das tut dieser staat übrigens auch, die werden dann zwangseingewiesen und kommen da so leicht nicht wieder raus, bekanntes beispiel dafür ist Gustl Mollath.

      Daß die bei »freiwilligfrei« anarchistische ideen als »deckmäntelchen« für ihren ultra-wirtschaftsliberalen mist benutzen würden, stimmt nicht. Die sagen ziemlich gerade raus, daß die ultra-wirtschaftsliberalen mist wollen, daß das für unbedarfte menschen erstmal nach anarchistischen ideen klingt, ist wahrscheinlich durchaus gewollt.

      Darum, welche dinge die vertreten und was man dagegen haben kann und vielleicht sogar sollte, wird es hier in der kommenden zeit gehen.

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  2. Von den Argumenten abgesehen und der Uebersetzung angelastet, haette man, da dieser Clip wohl deutsche Folgeerscheinungen eines (in Deutschland noch nicht generell vorhandenen) Mindestlohn anmahnt, anstatt $ doch naheliegender Euro einsetzen muessen, da Simon, in seiner jetzigen Situation, im naheliegend westlich reichen Vergleich, wohl am ehesten Deutsch ist.

    Wobei es mir schon bei dem Wort Mindestlohn hochkommt ... ein Minimum an unwuerdiger Lebensqualitaet ...

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    1. Wenn der Simon ein Deutscher wäre, dann hätte er, wenn man sich die mühe macht in € umzurechnen einen stundenlohn von ca. 2€20, damit hätte er, weil der sogenannte sozialstaat dumpinglöhne subventioniert, einen anspruch auf ergänzendes h4.

      Allerdings hätte Edgar, der chef, dann wahrscheinlich sehr schnell eine klage wegen »sittenwidrigen löhnen« an der backe, nicht weil der staat ein einsehen hätte, daß man so mit leuten nicht umgehen kann, sondern weil er geld sparen will. Diese überlegungen wollte ich in meinem text außen vor lassen, weshalb ich den armen Simon und seine kollegen in Amiland belassen habe, weil das für das beispiel wenig zur sache tut.

      Ich will dem weiteren text nicht vorausgreifen. Aber ein plädoyer für den mindestlohn wird es hier nicht geben, weil ich der auffassung bin, daß man über derartige diskussion, wie wenig zum leben denn »in ordnung« wäre, echt kotzen kann.

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